„Es muss nicht immer im Krankenhaus gestorben werden“ – Hanauer Ärztin berichtet

Rund hundert Interessierte hatten dieser Tage den Weg in den Mehrzweckrauim des Kreiskrankenhauses gefunden: Der Verein „HOSPIZ Initiative Odenwald“ lud zu einer Informationsveranstaltung, die sich besonders an Fachkräfte aus den Bereichen Medizin und Pflege richtete, aber auch an alle Interessierten, die ihrer Verantwortung gegenüber Sterbenden oder Schwerstkranken gerecht werden wollen. Das Thema der öffentlichen Veranstaltung lautete: „Palliativmedizin – Anspruch und Wirklichkeit“. Der Begriff Palliativmedizin geht auf das lateinische Wort „Pallium“ für Mantel zurück – damit soll zum Ausdruck gebracht werden, dass dieser Zweig der Medizin sich mit sterbenden Menschen befasst, die gleichsam ein „Mantel“ aus Zuwendung und Pflege umgibt.

Der Koordinatorin der Initiative, Barbara Prystanowski, war es gelungen, die Ärztin und Vorsitzende des Fördervereins Palliative Patientenhilfe Hanau als Referentin zu gewinnen. Frau Haas-Weber führt eine langjährige Hausarztpraxis und ist ergänzend ausgebildete Palliativmedizinerin. Außerdem hat einen Lehrauftrag an der Universität Frankfurt inne, der der Weitergabe ihres reichen Erfahrungsschatzes an junge Ärzte dient.

Die Referentin gab zahlreiche ganz praktische Hinweise und Ratschläge anhand konkreter Alltagssituationen aus ihrer medizinischen Praxis. Dabei unterstrich sie mehrfach auch die herausragende Rolle der Pflegekräfte, der Angehörigen und vor allem auch der ehrenamtlichen Helferinnen, ohne deren segensreiches Wirken die oft aufopferungsvolle Arbeit in Familien mit sterbenden Menschen kaum geleistet werden könnte. Als immer wieder erwähntes Leitmotiv ihrer Ausführungen diente die Forderung „Es muss nicht im Krankenhaus gestorben werden!“ Menschen, denen von medizinischer Seite nicht mehr geholfen werden kann, sollten in einer für sie möglichst vertrauten und angenehmen Umgebung Zuwendung und Pflege erfahren. Es kommt nach ihren Worten vor allem darauf an, Zuwendung zu geben und Schmerzen zu lindern.

Dr. Haas-Weber zitierte das antike Sprichwort „Carpe diem“ („Nutze den Tag“), um zu verdeutlichen, dass sterbenden Menschen auch zuletzt geholfen werden sollte, ein möglichst erfülltes Leben zu führen. Daneben wandte sie die Forderung aber auch auf die vielen haupt- und ehrenamtlichen Menschen an, die in der Pflege einer ständig älter werdenden Bevölkerung tätig sind. Gerade sie werden ja in ihrem Wirken ganz unmittelbar mit der Endlichkeit auch des eigenen Seins konfrontiert, erleben aber auch bereichernde Momente, wenn sie für Kranke und Sterbende da sind.

Im Anschluss an ihr engagiert vorgetragenes Referat stand Dr. Haas-Weber für interessierte Fragen aus dem teilweise fachkundigen Publikum zur Verfügung. Der noch relativ jungen Odenwälder HOSPIZ-Initiative bescheinigte sie als Vorsitzende des bereits ein Jahrzehnt wirkenden Fördervereins aus Hanau eine wichtige Arbeit und einen richtigen Weg. Die Vorsitzende der HOSPIZ-Initiative, Dr. Erika Ober, zeigte sich beeindruckt von der persönlichen Leidenschaft der Referentin und von der Fülle an Informationen und Anregungen, die diese an ein dankbares Publikum weitergegeben hatte.